Gestalten und Evaluieren von eLearning Szenarien/Kooperatives und Kollaboratives Lernen mit Neuen Medien

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"I do not believe that this should lead to computers controlling learning, it should lead to computers enriching the learning processes, making certain things smoother, more flexible, maybe also changing the expressiveness that we have, give us different means of intellectual expression that would be used in these learning environments"

Ulrich Hoppe, Kaleidoscope Symposium 2005

Kooperatives und kollaboratives Lernen bezeichnet zwei unterschiedliche Arten von Lernprozessen in Gruppen. Während beim kooperativen Lernen die Arbeitsaufgaben aufgeteilt, individuell bearbeitet und zum Schluss zusammengefügt werden, wird beim kollaborativen Lernen permanent in einer Gruppe zusammengearbeitet (Hinze, 2004). Beim CSCL wird nun das gemeinsame Lernen und Problemlösen mit Neuen Medien (computer- bzw. internetbasierte Medien und Technologien) verknüpft. Die Abkürzung CSCL steht für computer supported cooperative/collaborative/collective/coordinated learning, wobei sich die Bedeutung des zweiten C je nach Interpretation ergibt und diesbezüglich noch keine Einigung herrscht (Lipponen, 2002). Zumeist werden die Begriffe cooperative oder collaborative verwendet (Hinze, 2004), wodurch es sich beim CSCL sowohl um kooperatives als auch um kollaboratives Lernen handeln kann.


Inhaltsverzeichnis

Definition CSCL

Über den genauen Wortlaut der Abkürzung CSCL herrscht bis jetzt noch keine Einigung. Die ersten beiden Buchstaben stehen generell für "computer supported", der letzte Buchstabe für "learning". Probleme macht aber zumeist das zweite „C“ das je nach Interpretation für "cooperative", "collaborative", "collective" oder "coordinated" stehen kann (Lipponen, 2002). Meist werden die Begriffe "cooperative" oder "collaborative" verwendet, wobei jedoch zu beachten ist, dass zwischen den beiden Begriffen ein prinzipieller Unterschied besteht (Hinze, 2004).


Während beim kooperativen Lernen die Arbeitsaufgaben aufgeteilt, individuell bearbeitet und zum Schluss zusammengefügt werden, wird beim kollaborativen Lernen permanent in der Gruppe zusammengearbeitet (Hinze, 2004). Dillenbourg, Baker, Blaye und O’Malley (1996) weisen jedoch darauf hin, dass nicht die Tatsache der Arbeitsteilung sondern die Art wie diese Teilung zustande kommt, bei der Unterscheidung zwischen Kooperation und Kollaboration von Bedeutung ist. Beim kooperativen Lernen werden Arbeitsaufgaben hierarchisch in voneinander unabhängige Bereiche aufgeteilt, Zusammenarbeit ist nur beim schlussendlichen Zusammenfügen der einzelnen Teile nötig (Dillenbourg et al., 1996). Auch bei kollaborativem Lernen kann es zu einer Arbeitsteilung kommen, die einzelnen Bereiche bleiben jedoch miteinander verbunden und während des gesamten Prozesses findet eine Zusammenarbeit der Lernenden statt (Dillenbourg et al., 1996).


Laut Lipponen (2002) besteht aber zumindest dahingehend Einigung, dass beim CSCL ein gleichberechtigtes Engagement der Lernenden, die gemeinsame Konstruktion von Wissen und das Erreichen gemeinsamer Ziele im Vordergrund stehen.


Da es sich bei CSCL sowohl um kooperatives als auch um kollaboratives Lernen im Sinne der oben genannten Definitionen handeln kann, wird in dieser Arbeit entweder die Abkürzung CSCL oder, wie es im deutschsprachigen Raum üblich ist, der Begriff kooperatives Lernen verwenden. In beiden Fällen wird dabei aber auf den gesamten Bereich des kooperativen und kollaborativen Lernens Bezug genommen.

Kooperatives und Kollaboratives Lernen
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Kooperatives und Kollaboratives Lernen


- Charakteristika

Beim CSCL lernen und arbeiten Personen unter zu Hilfenahme virtueller Technologien zusammen und versuchen eine gemeinsame Aufgabe zu lösen bzw. ein gemeinsames Ziel zu erreichen (Kirschner & Van Bruggen, 2004). Daraus ergeben sich einige speziellen Merkmale die im Folgenden kurz zusammengefasst werden sollen:


  • Personale Präsenz

Beim CSCL sind die Teilnehmer/-innen nicht gleichzeitig an einem Ort präsent sondern kommunizieren entweder synchron oder asynchron über das Medium Computer miteinander. Diese spezielle Kommunikationssituation unterscheidet sich von traditioneller Face-to-Face Kommunikation in verschiedenen Punkten (siehe auch Computervermittelte Kommunikation). Das gänzliche Fehlen sozialer Präsenz und die aus den Eigenheiten virtueller Kommunikation resultierenden Schwierigkeiten können die Lernenden zusätzlich belasten und zu Kommunikationsproblemen führen (Hron & Friedrich, 2003).


  • Austausch von Nachrichten

Da die Teilnehmer/-innen beim CSCL Nachrichten über den Computer beziehungsweise das Internet austauschen, hat die computervermittelte Kommunikation einen großen Einfluss auf den Kommunikationsprozess. Die computervermittelte Kommunikation unterscheidet sich von der traditionellen Face-to-Face Kommunikation und je nachdem welche Technologie die Teilnehmer/-innen verwenden, kann sich dies unterschiedlich auf ihr Kommunikationsverhalten und die Effektivität des Arbeitsprozesses auswirken (siehe auch Computervermittelte Kommunikation).


  • Kognitive Belastung

Beim CSCL kommen auf die Lernenden neben den eigentlichen Lernaufgaben noch zusätzliche Schwierigkeiten, wie zum Beispiel die neue Kommunikationssituation oder das Erlernen einer neuen Technologie, zu (Hron & Friedrich, 2003). Dieser zusätzliche Lernaufwand kann dazu führen, dass Lernende von der eigentlichen Lernaufgabe abgelenkt werden und mehr Zeit mit peripheren Aufgaben verbringen (Hron & Friedrich, 2003).


  • Teilnahme

Die aktive Teilnahme an CSCL erfordert eine hohe Motivation von Seiten der Lernenden, da bei CSCL bereits die passive Teilnahme (z.B. das reine Lesen der Beiträge anderer Teilnehmer/-innen) ein hohes Maß an Aktivitäten (z.B. Starten des Computers, Einloggen in die Lernplattform, Aufrufen der Beiträge) erfordert (Hron & Friedrich, 2003). Mehr Informationen zu diesem Aspekt finden Sie im Kapitel meines Kollegen zum Thema Teilnehmermotivation.


Charakteristika des kooperativen Lernens
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Charakteristika des kooperativen Lernens

- Vorteile und Probleme des kooperativen Lernens

Laut Neo (2003) fördert kooperatives Lernen die Fähigkeiten des aktiven Problemlösens und des kritischen Denkens. Zusätzlich dazu lernen die Studierenden in Teams zu arbeiten bzw. zu lernen und unterschiedliche Sichtweisen zu akzeptieren. Ein weiterer Vorteil des kooperativen Lernens liegt darin, dass die Lernenden stärker in den Lernprozess mit eingebunden werden und somit in der Lage sind ihren Wissenserwerb in höherem Maße selbstzusteuern.


Die Probleme der kooperativen Lernform treten in verschiedenen Bereichen auf. Neben technisch bedingten Problemen, die besonders beim netzbasierten kooperativen Lernen eine große Rolle spielen, können vor allem auch eine Vielzahl von sozialen Problemen auftreten. Diese reichen von Problemen der Akzeptanz über motivationale Probleme bis hin zu Problemen der Gruppendynamik (z.B. Trittbrettfahrer).


Damit der Einsatz dieser neuen Lernform erfolgreich ist und die Vorteile des kooperativen Lernens voll ausgeschöpft werden können, müssen vor allem die nötigen Rahmenbedingungen gewährleistet sein. Der folgende Teil dieser Arbeit wird sich daher den pädagogischen, technologischen und sozialen Aspekten des computerunterstützten kooperativen Lernens, die den Rahmen dieser neuen Lernform bilden, widmen.

Pädagogische Aspekte

Eine wichtige Basis für erfolgreiches computerunterstütztes kooperatives Lernen ist der Einsatz geeigneter didaktischen Modelle und Lernstrategien.


- Lerntheorien

Die theoretische Grundlage des kooperativen Lernens bildet die Theorie des Konstruktivismus. Im Rahmen dieser Theorie wird Lernen als konstruktiver und aktiver Prozess angesehen, bei dem Wissen individuell konstruiert wird (Mandl & Reinmann-Rothmeier, 1999).


Beim kooperativen Lernen, das eine konkrete Ausprägung konstruktivistischer Lerntheorien darstellt, wird ein besonderer Schwerpunkt auf den sozialen Aspekt des Lernens gelegt. Lernen wird somit als sozialer und kooperativer Prozess, an dem die Lernenden aktiv und selbstgesteuert beteiligt sind, angesehen (Neo, 2003). Laut Mandl und Reinmann-Rothmeier (1999) erfordert jeder Lernprozess Aktivität, Motivation und Interesse Seitens der Lernenden aber auch Anleitung und Hilfe von Seiten der Lehrenden.

- Didaktik

Pape, Janneck und Klein (2005). gehen davon aus, das der Erfolg von CSCL Systemen nicht in erster Linie von der verwendeten Software sondern von der Einbettung dieser in die geeigneten didaktischen Maßnahmen abhängt. Anhand von Logfile-Analysen evaluierten Pape et al. (2005) die didaktische Umsetzung einer CSCL-Anwendung und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass die didaktische Einbettung von CSCL Systemen vor allem drei Aufgabenbereiche zu erfüllen hat (Pape et al., 2005):


  • Die Gestaltung des Nutzungskontextes

Darunter verstehen Pape et al. (2005) Maßnahmen, welche die Software für die Teilnehmer/-innen verfügbar machen (zB. Installation, Konfiguration). Logfile Analysen haben gezeigt, dass eine hohe Aktivität der Lehrenden am Anfang der Veranstaltung zu einer intensiven Nutzung des Systems durch die Teilnehmer/-innen führt.


  • Die Unterstützung der Systemnutzung zu Beginn

Durch Aufgabenstellungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad sollen die Teilnehmer/-innen mit der Bedienung des Systems vertraut gemacht und Nutzungskonventionen etabliert werden.


  • Die Kontinuierliche Unterstützung der Nutzung

Die Lernenden müssen kontinuierlich animiert und unterstützt werden, dass System selbstständig für die Erledigung ihrer Aufgaben und Fragestellungen zu nutzen. Hierzu können die Lehrenden selbst als gutes Beispiel fungieren und eine kontinuierliche Nutzung vorleben.


Neben diesen drei Hauptaufgabenbereichen gibt es noch eine Reihe von didaktischen Aspekten denen beim Einsatz von CSCL Systemen ein besonderes Augenmerk geschenkt werden sollte. Diese Aspekte werden im Folgenden kurz dargestellt:


  • Kooperative Lernmethoden

Sollen Interaktion und Lernprozesse der Gruppenmitglieder initiieren und strukturieren und gleichzeitig dabei helfen, Schwächen der virtuellen Kommunikation und Interaktion auszugleichen. Aus dem traditionellen Unterricht sind viele verschiedene Arten kooperativer Lernmethoden bekannt. Es ist jedoch bis jetzt zum größten Teil noch unerforscht, inwieweit die aus den traditionellen Lernumgebungen bekannten Methoden, sich auch für das computerunterstützte kooperative Lernen eignen (Hron & Friedrich, 2003). Eine im Rahmen von CSCL schon relativ gut erforschte Methode sind kooperative Skripten. Mit ihrer Hilfe soll der Dialog zwischen Gruppenmitgliedern durch vorgegebene Regeln und Textbausteine unterstützt werden.


  • eModeration

Im Rahmen von kooperativem Lernen verändert sich die Rolle des Lehrenden dahingehend, dass er/sie nicht mehr als aktiver Part der Wissensvermittlung sondern viel mehr als Unterstützer/-in von Lernprozessen auftritt. Er/Sie übernimmt also die Rolle eines/einer Moderators/Moderatorin. Diese Funktion ist im Rahmen von CSCL besonders wichtig, da durch sie die Teilnehmer/-innen in ihrem Kommunikationsprozess kontrolliert und unterstützt werden und somit Koordinationsprobleme vermieden und soziale Interaktion initiiert bzw. aufrecht erhalten werden kann (Beaudin, 1999). Hron und Friedrich (2003) identifizieren vier Funktionen erfolgreicher eModeration:

Organisation Strukturierung der Lern- und Arbeitsprozesse
Motivation Schaffung eines förderlichen sozialen Klimas
Expertise Gewährleistung der Inhaltlichen Qualität
Didaktik pädagogische Unterstützung zur Erleichterung kognitiver Prozesse



eModeration unterscheidet sich von traditioneller Moderation auf Grund der anderen Kommunikations- und Lernsituation und stellt hohe Anforderungen an die Moderatoren/Moderatorinnen. Neben den entsprechenden Fachkenntnissen müssen eModeratoren/eModeratorinnen auch über umfangreiche Kenntnisse von Gruppenlerntechniken und den eingesetzten Technologien verfügen.


  • Lernaufgaben

Entscheidend für den Erfolg von CSCL ist nicht zuletzt auch die Art der Lernaufgabe. Da beim CSCL vor allem die gemeinsame Erarbeitung von Wissen und das Lösen einer gemeinsamen Aufgabe bzw. das Erreichen eines gemeinsamen Zieles im Vordergrund stehen sind laut Hron und Friedrich (2003) für CSCL vor allem jene Aufgaben geeignet, welche die folgenden Voraussetzungen erfüllen:


  • sie sind projektartig
  • sie sind problemorientiert
  • sie haben einen starken Praxisbezug
  • sie ermöglichen unterschiedliche Sichtweisen


Des Weiteren muss darauf geachtet werden, das die verschiedenen Aufgaben die zur Erreichung des Lernzieles bearbeitet werden müssen, unter zu Hilfenahme der vorhandenen Kommunikations- und Kooperationstechnologien zu bewältigen sind (Hron & Friedrich, 2003).


  • Visualisierungstools

Erlauben es den Gruppenmitgliedern den Zusammenhang zwischen Argumenten, Konzepten und Ideen grafisch darzustellen um so einen externen Referenzpunkt für alle Teilnehmer/-innen herzustellen (Hron & Friedrich, 2003). Dies ist vor allem deshalb wichtig, da beim CSCL oft Personen mit gänzlich unterschiedlichem Vorwissen zusammenarbeiten. Das Erreichen eines gemeinsamen Verständnisses ist aber eine entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Technologische Aspekte

Technologie spielt eine besonders wichtige Rolle im Rahmen des computerunterstützen kooperativen Lernens, da sie die Grundlage dieser Lernform bildet und einen großen Einfluss auf die Kommunikations- und Lernprozesse ausübt.


- Computervermittelte Kommunikation

Computervermittelte Kommunikation (cvK) weicht laut Döring (2000) sowohl im technologischen, als auch im psychologischen Sinne von anderen Formen medialer Kommunikation ab. Für die interpersonelle Kommunikation via Internet, können die Teilnehmer/-innen auf verschiedene Technologien zurückgreifen. Jede dieser Technologien hat spezifische Eigenschaften die einen unterschiedlichen Einfluss auf den Kommunikationsprozess haben (Hartmann, 2004). Die verschiedenen Technologien die zur computervermittelten Kommunikation zur Verfügung stehen, können anhand typenübergreifender Merkmale eingeteilt werden. Bei diesen Merkmalen handelt es sich laut Hartmann (2004) um:

Anzahl und Güte der beteiligten Sinneskanäle Zeitliche Dimension Anzahl der Empfänger/innen
textbasiert synchron one-to-one
auditiv asynchron one-to-many
visuell



Verschiedene Theorien beschäftigen sich mit den Besonderheiten der cvK und ihrer Wirkung auf die Kommunikationsprozesse. Sie können laut Hartmann (2004) danach eingeteilt werden, ob sie die Auswahl und Nutzungsintensität von Kommunikationstechnologien (Selektionsmodelle) oder den Wirkungsaspekt der cvK (Wirkungsmodelle) konzeptualisieren.


Die Wirkungsmodelle setzen sich mit den psychologischen Auswirkungen der technischen Merkmale computervemittelter Kommunikation auf den Kommunikationsprozess auseinander. Sie können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden. Modelle im Sinne der Destruktionshypothese (Kanalreduktionstheorie, Filtermodelle) gehen davon aus, dass die cvK entsinnlicht und arm an sozialen Hinweisreizen ist und auf Grund der ihr eigenen Anonymität zu antisozialem Verhalten führt (Hartmann, 2004). Dem gegenüber stehen Modelle im Sinne der Komplementaritätshypothese (SIDE Modell, Ansatz der sozialen Informationsverarbeitung), die davon ausgehen, dass die cvK durchaus von sozialen Normen beeinflusst wird (Hartmann, 2004).


Die Modelle der Medienwahl (Selektionsmodelle) beschäftigen sich damit, wie eine Auswahl der Kommunikationstechnologien durch die Lernenden erfolgt.

- Kooperative Lehr- und Lernmedien

Die Entwicklung von kooperativer Software für den Bildungsbereich begann erst Ende der 1980er Jahre und stützte sich dabei auf die bisherigen Entwicklungen im Bereich der Computerunterstützten Kooperativen Arbeit (CSCW) (Lipponen & Lallimo, 2004). Als Basis für die Entwicklung kooperativer Lernsoftware dienten soziokulturelle Lerntheorien die sich besonders mit den Aspekten des computerunterstützen Kooperativen Lernens (CSCL) beschäftigten (Lipponen & Lallimo, 2004.


Laut Lipponen (2002) gibt es derzeit keine Einigung darüber wie kooperative Software definiert werden soll, deshalb wird auch nahezu jede Applikation als kooperativ bezeichnet. Lipponen und Lallimo (2004) weisen jedoch darauf hin, wie wichtig es ist, eine Unterscheidung zwischen Software die für kooperatives Lernen verwendet werden kann und Kooperationssoftware zu treffen. Während es sich im ersten Fall um Technologien handelt die unter anderem auch für die Unterstützung kooperativer und kollaborativer Prozesse eingesetzt werden können, wurde Kooperationssoftware eigens zu diesem Zweck konzipiert und getestet (Lipponen & Lallimo, 2004). Kooperationssoftware muss laut Lipponen und Lallimo (2004) die folgenden vier Kriterien erfüllen:


  1. Ihr Design beruht auf einer anerkannten Lerntheorie bzw. einem pädagogischen Modell
  2. Sie basiert auf der Idee von Groupware, Kollaboration zu fördern
  3. Sie unterstützt die Aktivitäten der User/-innen und erleichtert Gruppenprozesse
  4. Sie bietet gemeinschaftsbildende Werkzeuge


Der größten Erfolg für kooperatives Lernen kann laut Lipponen (2002). mit Groupware die eigens für Lernzwecke und kooperativen Wissenserwerb entwickelt wurde, erzielt werden.


Für den Erfolg von kooperativen Lernszenarien ist aber laut Lipponen und Lallimo (2004b) nicht vordergründig der Einsatz von Kooperationstechnologien verantwortlich, da Technologie alleine noch keine Verbesserung der Lernprozesse mit sich bringt. Wichtig sei vielmehr die kooperative Nutzung von Technologien zur Herstellung einer förderlichen Infrastruktur. Diese, von Lipponen und Lallimo (2004b) als lernorientiert bezeichnete, Infrastruktur wird durch die Aspekte Lernkultur, Lernprozesse und die Verwendung von Technologien gleichermaßen gestaltet.


Für erfolgreiches CSCL reicht es jedoch nicht aus, einfach neue Technologien im Rahmen traditioneller pädagogischer Modelle einzusetzen. Dabei wird nämlich außer Acht gelassen, dass der Einsatz einer bestimmten Technologie alleine noch keine Verbesserung einer Lernsituation mit sich bringen muss. Es ist vielmehr zu beachten, dass neue Technologien auch die damit zusammenhängenden sozialen Prozesse verändern (Kirschner, 2004).

Soziale Aspekte

Beim CSCL arbeiten Personen mit unterschiedlichem Vorwissen und unterschiedlichen Hintergründen bzw. Perspektiven unter zu Hilfenahme virtueller Technologien an einer gemeinsamen Aufgabe (Kirschner & Van Bruggen, 2004). Die Effektivität der Gruppenarbeit ist dabei in einem hohen Maße von der sozialen Interaktion der Teilnehmer/-innen abhängig (Kreijns, Kirschner, Jochems & Van Buuren, 2004). Oft wird jedoch der Fehler gemacht, die soziale Interaktion zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern als selbstverständlich anzusehen (Kirschner, 2004). ). Auch wird durch den Einsatz neuer Technologien oft nur die funktionale Kooperation (z.B. Austausch von Dokumenten) der Gruppenmitglieder unterstützt, nicht aber die ebenso wichtige soziale Interaktion die zum Beispiel während der Gruppenbildung auftritt (Kirschner & Van Bruggen, 2004).


Um gemeinsames Lernen und Arbeiten überhaupt erst zu ermöglichen, müssen laut Kirschner und Van Bruggen (2004) einige soziale Voraussetzungen bestehen. Es handelt sich dabei um folgende drei Aspekte:


  • gemeinsames Verständnis
  • Vertrauen
  • Verantwortung


Diese Voraussetzungen herzustellen und aufrecht zu erhalten, ist ein kontinuierlicher Prozess, der nicht direkt mit der eigentlichen Lernaufgabe der Gruppe in Zusammenhang steht (Kirschner & Van Bruggen, 2004). Nichts desto trotz ist es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Gruppe, diese sozialen Aspekte zu unterstützen und ihnen ein geeignetes Umfeld zu schaffen.


Laut Kreijns et al. (2004) ist effizientes und effektives Gruppenlernen nur in einem Umfeld aus geeigneten pädagogischen Methoden, kooperativen Technologien und sozialer Interaktion möglich. Sie gehen davon aus, dass ein die Gemeinschaftlichkeit förderndes Umfeld die soziale Interaktion zwischen den Lernenden verbessert und so zum Entstehen eines „sozialen Raumes“ (social space) beiträgt. Dieser soziale Raum wird von Kreijns et al. (2004, S. 157) als „human network of social relationships between group members which is embedded in group structures of norms and values, rules and roles, beliefs and ideals“ definiert und ist aus ihrer Sicht verantwortlich für das entstehen jeglicher sozialer Interaktion zwischen den Gruppenmitgliedern.


Kreijns et al. (2004) weisen weiters darauf hin, dass soziale Interaktion zwischen den Lernenden im Rahmen von CSCL weit schwieriger zu erreichen ist als in traditionellen Gruppenlernsituationen. Dies mag auf die Besonderheiten der computervermittelten Kommunikation, die beim CSCL eine große Rolle spielen und auf die im vorangegangenen Kapitel näher eingegangen wurde, zurückzuführen sein.

Résumé

Kooperatives Lehren und Lernen mit neuen Medien ist ein sehr komplexes Thema, da sich durch den Einsatz einer CSCL Technologie die gesamte Lehr-/Lernsituation entscheidend verändert. Um die Potentiale von CSCL trotzdem ausschöpfen zu können, müssen sowohl die technologischen als auch die pädagogischen und sozialen Rahmenbedingungen, die es erst ermöglichen, diese Lernform erfolgreich einzusetzen, geschaffen werden. Dazu ist es notwendig, die Technologien in geeignete pädagogische Modelle einzubetten und für ein lernförderliches Umfeld, indem die soziale Interaktion zwischen den Teilnehmern/Teilnehmerinnen ermöglicht und gefördert wird, zu sorgen.


Kontrollfragen

  1. Nennen und beschreiben Sie kurz die speziellen Merkmale des CSCL
  2. Auf welche Lerntheorie basiert kooperatives Lernen und welche didaktischen Aspekte sollten im Rahmen von CSCL besonders beachtet werden? Zählen Sie diese auf und beschreiben Sie sie kurz.
  3. Welche 4 Kriterien sollte Kooperationssoftware erfüllen und worauf sollte bei ihrem Einsatz geachtet werden?
  4. Welche sozialen Vorraussetzungen sind für den Erfolg kooperativen Lernens essentiell??


Musterantworten

Literatur


-Beaudin, B.P. (1999). Keeping online asynchronous discussion on topic. Journal of Asynchronous Learning Networks 3, 41-53.


-Dillenbourg, P., Baker, M., Blaye, A. & O'Malley, C. (1996). The evolution of research on collaborative learning. In E. Spada & P. Reiman (Hrsg.), Learning in Humans and Machine. Towards an interdisciplinary learning science (S. 189-211). Oxford: Elsevier.


-Döring, N. (2000). Kommunikation im Internet. Neun theoretische Ansätze. In B. Batinic (Hrsg.), Internet für Psychologen (2. Aufl., S. 345-377). Göttingen: Hogrefe.


-Hartmann, T. (2004). Computervermittelte Kommunikation. In R. Mangold, P. Vorderer, & G. Bente (Hrsg.), Lehrbuch der Medienpsychologie (S. 674-691). Göttingen: Hogrefe.


-Hinze, U. (2004). Computergestütztes kooperatives Lernen. Einführung in Technik, Pädagogik und Organisation des CSCL. Münster: Waxmann.


-Hron, A. & Friedrich, H.F. (2003). A review of web-based collaborative learning. Factors beyond technology. Journal of Computer Assisted Learning, 19, 70-79.


-Kirschner, P. (2004). Design, Development, and Implementation of Electronic Learning Environments for Collaborative Learning. Educational Technology Research & Development, 52, 39-46.


-Kirschner, P. & Van Bruggen, J. (2004). Learning and Understanding in Virtual Teams. CyberPsychology & Behavior, 7, 135-139.


-Kreijns, K., Kirschner, P., Jochems, W. & Van Buuren, H. (2004). Determining Sociability, Social Space, and Social Presence in (A)synchronous Collaborative Groups. CyberPsychology & Behavior, 7, 155-172.


Lipponen, L. (2002). Exploring foundations for computer-supported collaborative learning. In G. Stahl (Hrsg.), Computer Support for Collaborative Learning. Foundations for a CSCL community. Proceedings of the Computer-supported Collaborative Learning 2002 Conference (S. 72-81). Hillsdale, NJ: Erlbaum.


-Lipponen, L. & Lallimo, J. (2004a). Assessing applications for collaboration. From collaboratively usable applications to collaborative technology. British Journal of Educational Technology, 35, 433-442.


-Lipponen, L. & Lallimo, J. (2004b). From Collaborative Technology to Collaborative Use of Technology. Designino Learning Oriented Infrastructures. Educational Media International, 41, 111-116.


-Mandl, H. & Reinmann-Rothmeier, G. (1999). Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. In B. Weidenmann, A. Krapp, M. Hofer, G. L. Huber & H. Mandl (Hrsg.), Pädagogische Psychologie. Weinheim: Beltz.


-Manning, L. & Riordan, C. (2000). Using Groupware Software to Support Collaborative Learning. In Economics, Journal of Economic Education, 31, 244-252.


-Neo, M. (2003). Developing a collaborative learning environment using a web-based design. Journal of Computer Assisted Learning, 19, 462-473.


Pape, B., Janneck, M. & Klein, M. (2005). Logfile-Analysen zur Evaluation der didaktischen Einbettung von CSCL-Systemen am Beispiel der CommSy-Nutzung in offenen Seminaren. eleed – elearning & education. Download 19/01/06 from http://eleed.campussource.de/archive/1/85/


Schwabe, G. (2004). Medienwahl. In J.M. Haake, G. Schwabe & M. Wesser (Hrsg.), CSCL-Kompendium (S. 265- 274). München: Oldenbourg.




Zwischenpräsentation vom 16/05/2005

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