Gestalten und Evaluieren von eLearning Szenarien/Blended learning-Konzepte

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"’Blended Learning’ – schon wieder ein neues Lernkonzept, das vorhandene als überholt ausruft? Versprach nicht eben noch das E-Learning mit neuen Medien die Revolution des Bildungswesens?“
Pietraß (n.v.)

Blended Learning verbindet Altes und Bewährtem mit Neuem und stellt eine Mischform verschiedener Lernkonzepte in konzeptioneller Art und Weise dar. Denn in einer Zeit, in der Wissenserwerb permanent schneller erfolgt und der Wissensaustausch zu einem kritischen Erfolgsfaktor wird, ist es nötig, neue Technologien und Medien zu entwickeln, einzusetzen und zu adaptieren, um die wachsende Vielfalt an Informationen fassen und vermitteln zu können. Orts- und zeitgebundene Wissensvermittlung entsprechen diesen wachsenden Anforderungen nicht mehr, daher wurden neue Lernkonzepte, Online-Learning Szenarien, Hybrid-Szenarien, wie unter anderem das Blended Learning entwickelt. Blended Learning bedeutet eine Kombination der Vorteile von Präsenzlehrveranstaltungen mit den Vorteilen von eLearning (wie beispielsweise Web Based Training, Computer Based Training, Chat, Foren oder virtuellen Klassenzimmer).


Inhaltsverzeichnis

Definition

Sucht man eine konkrete Definition für Blended Learning, wird man in der Literatur kaum fündig. Zu vielfältig, weitschichtig und unexakt sind die Ansichten, was mit Blended Learning gemeint ist. Mit dem Verweis auf den Unterpunkt 3.3 „Konzepte“ ist der Begriff „Blended Learning“ als konzeptioneller Ansatz zu sehen. Augenscheinlich ist, dass im Kontext amerikanischer Autoren oftmals von „Hybrid Learning“ oder „Mixed Learning“ gesprochen wird und bei europäischen Autoren vermehrt das Wort „Blended Learning“ zum Einsatz kommt. Des Weiteren findet man in Abhandlungen synonym Begriffe wie “Integrated Learning”, “Multi-methode Learning”, “Mixed Mode Learning”, “Flexible Learning” oder selbst den Begriff “E-Learning”.


Im Rahmen von Blended Learning Szenarien findet eine Kombination von Präsenzlehrveranstaltung mit verschiedenen Formen netzbasierten Lernens statt, wie beispielsweise Web Based Training, Computer Based Training, Chat, Foren oder virtuellen Klassenzimmer. Die Variationsmöglichkeiten unterschiedlicher Lehr-Lern-Methoden und –Maßnahmen mit lokal/verteilten, stationär/mobilen, virtuell/nicht virtuellen, statisch/dynamischen, synchron/asynchronen oder individuell/gemeinsamen Umgebung sind praktisch unbegrenzt.

Aus diesem Grund üben Oliver und Trigwell (2005) Kritik an dem Wort „Blended Learning“ und formulieren, dass in der Literatur der Begriff per se „[…] remains ill-defined.“ und in einer sich widersprechend Form gebraucht wird (Oliver & Trigwell, 2005, S. 17). Sie trennen die Wörter „Blended“ und „Learning“ und bevorzugen „Blended Pedagogics“ oder „Blended Teaching“ im speziellen Bezug auf das Unterrichtswesen.

Entwicklung des Blending Learning

Die geschichtlichen Wurzeln des Blended Learning Konzeptes liegen in dem sich manifestierenden Bedürfnis an sozialen Interaktionen, bei dessen Erfüllung konventionelle Umgebungen wie E-Learning, Computer Based Training, Web Based Training oder Game Based Learning an ihre Grenzen stießen. Zwar entsprachen diese dem technologischen „State of the Art“, jedoch waren sie für Laien und Lernende oft zu komplex und verfehlten ihr Ziel einer effizienten Wissensvermittlung.

Grund dafür könnte sein, dass bereits die Entwicklung von Online-Learning Szenarien zu sehr unter dem Einfluss von Technikern stand und zuwenig Augenmerk auf lerntheoretische Ansätze genommen wurde. Die Konstruktion und Implementierung war schlussendlich durch fehlendes lernpsychologisches Expertenwissen in ihrer Struktur zu techniklastig.


Die Wichtigkeit solcher sozialer Interaktionen stellte auch Salmon (2002) in der Notwendigkeit fest, selbständige Lerner zu motivieren. Der Kompromiss zwischen traditionellem Face-to-Face Unterricht und Online-Learning führte zu dem neuen Ansatz von Lehre und Lernen, dem hybriden Lernen oder auch Bleanded Learning genannt (Rogers, 2001).

Konzeption des Blended Learning
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Konzeption des Blended Learning

Die vertikale Achse beschreibt den Technologieeinsatz, die horizontale Achse den Zeitaufwand, welcher mit Online-Learning aufgebracht wird. Im linken Feld wird der traditionelle Face-to-Face Unterreicht dargestellt, charakterisiert durch einen geringen Einsatz an Technologie sowie eine zeitlich kleinen Anteil an Online Aktivitäten. Die reine Online-Lehre im rechten Feld zeigt einen vergleichsweise hohen Technologieeinsatz. Um eine optimale Vermittlung des Lehrstoffes sowie eine soziale Interaktion zu gewährleisten, werden in Online-Learning Szenarien häufig Methoden wie E-Moderating eingesetzt, welche die Komplexität weiter erhöhen.

Blended Learning im mittleren Feld bietet somit eine Schnittstelle, mit dessen Hilfe sowohl der Technologieeinsatz als auch die benötigte Zeit an Online-Learning Einheiten im Vergleich zur reinen Online-Lehre reduziert wird und gleichzeitig der Output an vermittelten Wissen in Bezug auf die Face-to-Face Lehre gesteigert wird. Ferner kann davon ausgegangen werden, dass Opportunitätskosten wie Wegstrecken, gesamter Zeitbedarf, Kontrollkosten oder Anpassungskosten verringert werden können, was insgesamt einen rationaleren Einsatz an Ressourcen bedeutet (vgl. Williamson, 1981).


Die Vorteile einer unkomplizierten Nutzung online-basierter Technologie und das einfache Vervielfältigen urheberrechtlich geschützter Inhalte bringen aber auch neue Probleme hervor, die an dieser Stelle lediglich erwähnt bleiben sollen. Ein kompakter Exkurs zur Urheberrecht Problematik findet sich im Anhang.


Elemente von Blended Learning

Interaktion bei Blended Learning
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Interaktion bei Blended Learning

Die Herausforderung der Lehrenden ist es, sowohl didaktisch und technisch anspruchsvolle Lernumgebung zu schaffen, diese individuell an die Bedürfnisse der Lernenden anzupassen und die Wissensvermittlung mit Präsenzphasen zu bereichern (näher erläutert wird das Vorgehen in dem Kapitel „Didaktische Entscheidungen beim Entwicklungsprozess einer Web-basierten Lernumgebung“). Die Aufgabe des Lernenden ist es, sich mit den angebotenen Möglichkeiten zu arrangieren und auch den direkten Weg der Kommunikation mit dem Lehrenden nicht zu scheuen.

Weiters ist es notwendig, dass auch eine Rückkoppelung und Interaktion innerhalb der Elemente erfolgt: Lernende kommunizieren miteinander, tauschen Erfahrungen aus oder helfen sich gegenseitig bei Unklarheiten. Dies kann online erfolgen oder auch während der Präsenzphasen. Lehrende sollen durch Austausch der Erfahrungen mit anderen Lehrenden die Qualität der Wissensvermittlung optimieren und diese unmittelbar durch Aktualisierung der Blended Learning Umgebung einfließen lassen.

Ähnlich verhält es sich mit dem technologischen Aspekt. Gegeben der sich laufend weiterentwickelnden Technologien ist ein Online-Szenario in einem permanenten Prozess anzupassen. Orientiert an zeitaktuellen Möglichkeiten sind bis dahin noch nicht zu realisierenden Elemente einzufügen, etwaige veraltete Elemente auszutauschen oder die Lernumgebung ist gegebenenfalls sogar neu zu gestalten.

Durch die von Blended Learning erhöhte Flexibilität kann die Gefahr durch einen sinngemäß übertragenen „Lost in Hyperspace“-Effekt minimiert werden. Präsenzphasen, Kommunikation und Interaktion ermöglichen, technologische und didaktische Änderung nachvollziehbar und zeitgerecht zu vermitteln. Dadurch fühlen sich Lernende kaum überfordert oder bekommen nicht den Eindruck, vor neuen, technisch schwer lösbaren Problemen zu stehen (Pietraß, n.v.).

Konzepte von Blended Learning


So unterschiedlich die Sichtweisen von Blended Learning sind, so unterschiedliche ist auch die Herangehensweise an Blended Learning Konzepte. Driscoll (2002) nähert sich in diesem Zusammenhang mit vier Konzepte zur Realisierung von Blended Learning Szenarien an diese Thematik an:

Das erste Konzept beschreibt Blended Learning als Kombination oder gemischter Modelle unterschiedlicher Web-based Technologien wie beispielsweise „Live Virtual Classromm (VCR)“, „Computer Supported Collaborative Learning (CSCL)“ oder selbstgesteuertes Lernen, um Lehrziele zu erreichen (siehe auch Kapitel „Kooperatives und Kollaboratives Lernen mit Neuen Medien“).

Als zweites beschreibt Driscoll (2002) Blended Learning als Kombination verschiedener pädagogischer Ansätze wie Konstruktivismus, Behaviorismus oder Kognitivismus, um eine optimale Lernumgebung zu schaffen – mit oder ohne instruktionaler Technologien (siehe auch Kapitel „Lerntheoretische Ansätze“).

Das dritte Konzept beschreibt die Kombination jeder Art von instruktionaler Technologie mit einem Face-to-Face begleitenden Training (siehe auch Kapitel „Didaktische Entscheidungen beim Entwicklungsprozess einer Web-basierten Lernumgebung“).

Als viertes und letztes Konzept bildet Blended Learning eine Mischung oder Kombination instruktionaler Technologien mit aktuellen Anforderungen, um Symbiosen von Lernen und Arbeit zu erreichen (siehe dazu auch Kapitel „Einsatz von E-Learning in Unternehmen“ sowie Unterpunkt 4.1 „Organisationales und unternehmerisches Umfeld“).

Einsatzbereiche in der Praxis

In der Praxis sind die Variationsmöglichkeiten für Blended Learning Konzepte sehr vielfältig. Sowohl in der Lehre und Forschung als auch im organisationalen Umfeld können sie Anwendung finden sowie bestehende Strukturen erweitern und optimieren. Diese werden in folgenden Unterpunkte in einem überblickshaften Querschnitt aufgezeigt.


Organisationales und unternehmerisches Umfeld


Prädestiniert für Blended Learning Konzepte sind Einsatzbereiche, in denen sich der inhaltliche Wissenstand durch dynamische Prozesse laufend ändert und eine geographisch große Distanz den Teilnehmern eine reine Präsenzphase unmöglich macht. Durch den hybriden Aufbau bleibt der konzeptionelle Ablauf des Wissensaustausches unbehelligt, die Anpassung und zwischenzeitliche Evaluierung von neuen Inhalten kann jedoch erheblich flexibler gestaltet werden. Exemplarisch sei hier der Einsatz in Unternehmen erwähnt, welcher in Form einer „Lernenden Organisation“ in den Kapitel „Einsatz von E-Learning in Unternehmen“ und „Implementierung von E-Learning in Organisationen“ näher beschrieben wird.

Die immer größere Bedeutung für den flexiblen Wissensaustausch zeigen die Artikel von Wildemann (2003) und Allred, Boal und Holstein (2005) , welche beide das häufige Scheitern von Merger & Aquisitions beschreiben.

Wildemann (2003) fasst zusammen, dass in der Mehrzahl der Fälle der Unternehmenskauf das Ziel von Synergieeffekten nicht im ursprünglich angestrebten Ausmaß erreicht. Als Ursachen erwähnt er den erhöhten Koordinationsaufwand im Management und innerhalb der Belegschaft, Investitionen in die Harmonisierung von Rechnungswesen, Controlling und IT sowie fehlendes Einbeziehen der Mitarbeiter in Integrationsprojekte, was sich in einer mangelnden Akzeptanz und somit einer geringern Bereitschaft zur Kooperation niederschlägt.

Allred et al. (2005) machen für das Scheitern unter anderem den fehlenden „Fit“ als auch unterschiedliche strategische Ausrichtungen der zusammengeführten Unternehmungen verantwortlich.

Genau an dieser Stelle können Blended Learning Konzepte ansetzen um die zuvor beschriebene Defizite gar nicht erst entstehen zu lassen. Beispielsweise ermöglicht eine Online-Plattform wie Forum oder Chat die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, ein E-Learning Szenario schafft den nötigen Wissensaustausch und die Präsenzphasen erhöhen die soziale Interaktion und Akzeptanz der gesamten Belegschaft und hilft, auftauchende Fragen und Ängste im Plenum aufzuarbeiten.

Schulwesen und pädagogische Lehreinrichtung


Ebenso profitieren technologische Anwendungen, deren Inhalte zwar statisch sind wie beispielsweise Computer Based Training, aber thematisch für die Lernenden zu komplex sind, um sie durch Onlinehilfen zu erklären oder ausschließlich im Selbststudium zu erlernen. Im Speziellen ist hier die Zielgruppe der Kindergartenkinder und Grundschüler angesprochen, welche durch Präsenzphasen in die Technik und Thematik eingeführt werden müssen, aber Übungen wenn vorhanden auf eigenen PCs durchführen können.

Auch in diesem Bereich gibt es bereits Anwendungen wie „Kiribatis“, eine Software zum Erlernen und Zuordnen von Geräuschen des täglichen Alltags, bis hin zu Geographie-, Physik-, Geschichte-, oder Mathematik-CD-Roms, die auch noch in mittleren und höher bildenden Schulen eingesetzt werden können.


Projekte des Vereins „Forum neue Medien Austria“


Der Verein „Forum neue Medien Austria“ ist eine Initiative, dessen Ziel es ist, einen Überblick über den Stand des Einsatzes Neuer Medien in der Lehre an österreichs Universitäten und Fachhochschulen zu bieten und eine „Leistungsbilanz“ innovativer, mediengestützter Lehrprojekte zu vermitteln. Durch seinen Content-Pool fördert er auch eine Vernetzung der Akteure und potentieller Kooperationspartner. Ebenfalls enthalten sind geförderte Projekte aus verschiedenen Ausschreibungsrunden des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst.

Die nachfolgenden drei Projekte, welche über die Plattform des FNM Austria auffindbar sind, sollen einen Eindruck über den derzeitigen Stand der Umsetzung vermitteln.


  • Leleo – Online-Lehrgang „Webliteracy“

Gestartet wurde das Projekt im April 2002 und wurde zuletzt in Innsbruck im Oktober 2003 durchgeführt. Es ist ein Online – Zusatzausbildungsprogramm, welches Studierenden Strategien zur autonomen Erschließung und Verwertung von Internet-Ressourcen fürs Studium und die spätere Berufspraxis vermittelt. Im hybriden Online-Lehrgang werden methodisch wie inhaltlich Know-how und Explorationstechniken im Umgang mit Internetanwendungen und -diensten zur Beschaffung, Selektion, Bewertung, Strukturierung und Verwaltung von Information fürs Studium erworben. Darüber hinaus erlernen die Teilnehmer mithilfe kollaborativer Lernmethoden implizit Softskills wie Teamfähigkeit, Konfliktlösungskompetenz, Kommunikationsvermögen, Selbstorganisation, Zeitmanagement und Reflexion über eigene Lernprozesse. Der Lehrgang besteht aus einer 7-wöchigen Online-Phasen, begleitet von zwei Präsenzveranstaltungen zu Beginn und am Schluss. Der wöchentliche Arbeitsaufwand wird während der Online-Phase ist mit ca. 6 Stunden anberaumt. Die Online-Lernerfahrung auf einer Lernplattform entspricht methodisch den vermittelten Inhalten und ermöglicht eine unmittelbare praktische Erprobung des Erlernten. Kommunikation und Kooperation stehen im Vordergrund, es erfolgt eine Vernetzung der Studierenden, um personalisiertes Wissen auszutauschen und dadurch neues Wissen zu erwerben. Die Verantwortung für den eigenen Lernprozess tragen die Studierenden selbst, die in kleinen Teams, in der Gesamtgruppe und individuell Explorationstechniken für ihr jeweiliges Studium erarbeiten


Im Wintersemester 2001 / 2002 wurde die Lehrveranstaltung Betonbau auf der Technischen Universität Graz mit Hilfe einer Lernplattform unterstützt. Die modernen Möglichkeiten hybrider Lernarrangements sind neben Animationen begleitend eingesetzt worden, um den Studierenden neben den vertrauten Bedingungen des Face-to-Face Unterrichts weitere Lernunterstützung zu geben. Die nach der Lehrveranstaltung abgehaltene Evaluation gab Rückschluss darauf, dass dem Medium bei richtigem Einsatz ein großer Einsatzbereich bevorsteht. Der Erfolg der Lehrveranstaltung führte dazu, dass das Projekt nicht abgeschlossen wurde, sondern in eine zweite Phase überging. Aktuell (Stand 2005) wird die Lehrveranstaltung durch einen kompletten E-Learning Kurs unterstütz und die Möglichkeit geboten, vorgetragenes Unterrichtsmaterial über eine Webcam einzusehen.


  • ELearning im Kleingruppenunterricht medizinische Physik

Bei diesem Pilotprojekt vom Dezember 2000 kam die Web-Lernplattform WebCT zur Anwendung. Ziel war es, auf der Plattform eine Lehr- und Lerneinheit zur Unterstützung des Lernprozesses für die Rigorosumprüfung "Medizinische Physik" zu errichten. Begleitend erfolgten Seminare, welche jeweils wechselweise zu den virtuellen Einheiten abgehalten wurden. Diese Hybridform des virtuellen Lernens entsprach einem problemorientierten und problembasierten Lernen. Weiters gab es eine gezielte Unterstützung für die Studierenden durch Selbsttestfragen. Finales Ergebnis war das Bereitstellen einer Dokumentation von Aufwand und Akzeptanz seitens Lehrenden und Lernenden mit einer abschließenden Ergebnisdiskussion.

Diskussion

Spannende Perspektiven eröffnen die Ausblicke, die zum Schluss dieses Kapitels gegeben werden. Das Potential von Blended Learning Konzepten ist unbestritten vorhanden und die weitere Entwicklung nach derzeitigem Ermessen kaum abzusehen. Sicher ist, dass auch durch neue technologische Errungenschaften die gewissenhafte und sorgfältige Umsetzung von Blended Learning Konzepten unerlässlich bleibt.

Virtual Reality Umgebungen, die heutzutage noch utopisch anmuten, können eine interessante Entwicklung werden, wenn auch Präsenzphasen online abgehalten werden. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, ist auf den zweiten Blick die konsequente Fortsetzung von instruktionalen Ansätzen. Ob jedoch in Hinblick auf soziale Interaktion ein gänzliches Fehlen von Präsenzphasen zweckdienlich ist, bleibt zu hinterfragen.


Blended Knowledge


Wie bereits erwähnt, setzten Unternehmen verstärkt auf den Einsatz von eLearning-Systemen als Werkzeug für ein Wissensmanagement.

Bender und Diehl (2005) bestätigen, dass sich sowohl das Bewusstsein als auch die herausragende Bedeutung von Wissensmanagement in Organisationen etabliert hat, jedoch stellen sie ebenso fest, dass vollständige Wissensmanagementsysteme in der Praxis kaum anzutreffen sind. Auch bei Vorhandensein solcher Systeme, sind die Grenzen schnell erreicht: Wissensbarrieren entstehen aufgrund Zeitmangels für die Weitergabe von Wissen, Eigenmotive als Grund der persönlichen Machtsicherung, Intransparenz durch Verlust des Kontextbezuges im System oder Irrelevanz der Information. Sie formulieren Wissen als einen sozialen Prozess, bei dem eine direkte Kommunikation unverzichtbar ist (Bender & Diehl, 2005). Als Lösungsmöglichkeit beschreiben sie ein Kompetenzmanagement und einen Blended Knowledge Prozess in Fortführung des Blended Learning Ansatzes. Das Wissen wird sowohl in elektronischer Form als auch kommunikativer Form weitergegeben. Dabei entsteht eine Synergie an Wissensweitergabe, die konventionelle Wissensmanagementsysteme bislang nicht erreichen konnten.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Wissen nach wie vor kaum explizit formulierbar ist und somit persönliche Kompetenzen in Unternehmungen auch durch einen Blended Knowledge Prozess nicht ersetzt werden können.

Forschungsansätze


Anlässlich des 11. Business Meetings an der Universität Wien präsentierte Mandl (2005) Forschungsfragen und Perspektiven zum Blended Learning und formulierte vor dem Hintergrund des problemorientierten Lernens fünf Forschungsansätze:

Evaluationsforschung Untersucht die Wirkung von Blended Learning-Umgebungen auf Akzeptanz, Lernprozess, Lernerfolg und Transfer (Blended Learning Seminar „Wissensmanagement“)
Feldforschung Befasst sich mit den Zusammenhängen von Bedingungsfaktoren und Lernerfolg in Blended Learning Umgebungen („Kooperatives Lernen in virtuell-asynchronen Hochschulseminaren“; „Akzeptanz von Blended Learning in einem Unternehmen“)
Experimentelle Forschung Analysiert bestimmte Einflussfaktoren auf den Lernerfolg von Blended Learning („Förderung kooperativen Lernens in Videokonferenzen: Der Einfluss von Wissensschemata und Kooperationsskripts“)
Design-Based Research Der Ansatz umfasst die Entwicklung von und Forschung mit Blended Learning Umgebungen in kontinuierlichen Zyklen in realen Settings („Lehrerausbildung: Entwicklungsstudie“)
Integrativer Forschungsansatz Integriert wird anwendungsbezogene Laborforschung und kontrollierte Feldforschung (Experimentelle Studie: „Effekte von Feedback-Maßnahmen und kooperativem Lernen in der Lernumgebung ‚Koralle’“; Feldstudie: „Einbau von ‚Koralle’ in die Methodenausbildung“)



Auch er (Mandl, 2005) merkt an, dass die Blended Learning Forschung noch am Anfang steht und betont die Notwendigkeit einer lehr-lern-theoretisch fundierten Entwicklung von Blended Learning Szenarien.

Kontrollfragen

um zur Musterantwort zu gelangen, klicken sie die Fragenummer

 
1. Warum scheiterte oft in der Vergangenheit die effiziente Wissensvermittlung bei reinen Online-Learning Szenarien – Welche Notwendigkeit führte zum Ansatz des Blended Learning?
 
2. Was wird unter Blended Learning bezugenehmend auf dieses Kapitel verstanden – Zählen sie einige Ausprägungen von Online-Umgebungen auf, welche mit Lehr-Lern-Umgebungen variiert werden können.
 
3. Beschreiben sie die in diesem Kapitel angeführten Elemente, bei denen aus Sicht der Blended Learning Konzepte eine Interaktion erfolgen soll – Welche Vorteile ergeben sich daraus?
 
4. Wiederholen sie die vier Kategorien, in die Driscoll (2002) Blended Learning Konzepte untergliedert.
 
5. Welche zwei Einsatzbereiche für Blended Learning Konzepte lassen sich grob unterscheiden?
 
6. Geben sie einen überblicks- und stichwortartigen Ausblick auf Perspektiven der Forschung und möglichen zukünftigen Richtungen, in die sich Blended Learning entwickeln kann.

Literaturverzeichnis

Allred, B. B., Boal, K. B. & Holstein, W. K. (2005). Corporations as stepfamilies: A new metaphor for explaining the fate of merged and acquired companies. Academy of Management Executive, 19, 23-37.


Bender, H. F. & Diehl, J. F. (2005). Wissensmanagement im Wandel. Wissensmanagement, 4, 10-13.


Driscoll, M. (2002). Blended Learning: Let’s get beyond the hype. Available URI: http://www.ltimagazine.com/ltimagazine/article/articleDetail.jsp?id=11755 (06.12.2005)


Heinze, A. & Procter, C. (2004). Reflections On The Use Of Blended Learning. Education in a Changing Environment 13th-14th September 2004 Conference Proceedings. Available URI: http://www.aheinze.me.uk/ (06.12.2005)


Horn, J. (2005). E-Learning and Law; Das E-Learning Rechtportal eLLa. Available URI: http://serverprojekt.fh-joanneum.at/sp/meetings/bm11/pdf/horn.pdf (06.12.2005)


Mandl, H. (2005). Blended Learning: Forschungsfragen und Perspektiven. Available URI: http://serverprojekt.fh-joanneum.at/sp/meetings/bm11/pdf/mandl.pdf (06.12.2005)


Oliver, M. & Trigwell, K. (2005). Can ‘Blended Learning’ Be Redeemed? E-Learning, 2, 17-26.


Pietraß, M. (n.v.). Blended Learning – Impulse für die Praxis. Available URI: http://www.treffpunkt-ethik.de/download/Pietrass_blendedlearning_badhonnef.pdf (06.12.2005)


Rogers, P. L. (2001). Traditions to Transformations: The Forced Evolution of Higher Education. Educational Technology Review, 9.


Salmon, G. (2002). E-Tivities: The key to active online learning. London: Kogan Page Limited


Wildemann, H. (2003). Programm zur Realisierung von Synergien nach Mergers & Acquisitions. Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 11, 660-664.


Williamson, O. E. (1981). The Economics of Organisations: The transactions Cost Approach. America Journal of Sociology, 87, 548-577.

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