Gestalten und Evaluieren von eLearning Szenarien/Aktivierung und Bedeutung von Teilnehmermotivation
aus JKUWiki, der freien Wissensdatenbank
| ||
|
Benjamin Britten | ||
Die Aktivierung und Bedeutung von Teilnehmermotivation spielt gerade im Bereich des E-Learning eine wesentliche Rolle, denn fehlende Motivation ist oft die Ursache für einen fehlenden Lernerfolg. Ausgehend von den grundlegenden Modellen der Motivationspsychologie geben verschiedene Methoden Auskunft darüber, wie Motivation gesteigert werden kann. Vor allem die inhaltliche Gestaltung und Präsentation sowie technische Mittel spielen hier eine wichtige Rolle. Daneben zeigen auch zahlreiche Motivationsmodelle und -strategien, wie z.B. das ARCS-Modell, Aufmerksamkeitsstrategien oder Zufriedenheitsstrategien, verschiedene Möglichkeiten auf, die zur Aktivierung der Motivation beitragen können.
Inhaltsverzeichnis |
Definition
Unter Motivation versteht man die Bereitschaft, in einer konkreten Situation eine bestimmte Handlung, z.B. die konzentrierte Beschäftigung mit einem Lehrbuch, mit einer bestimmten Intensität und Dauerhaftigkeit auszuüben. Man unterscheidet extrinsische und intrinsische Motivation. Intrinsisch motivierte Lernende lernen aus Interesse und Freude am Lernstoff. Sie werden angetrieben vom Lernstoff selbst. Andere intrinsische Motive sind z.B. der Drang, etwas zu vollenden, sowie Neugier, Spaß und Wissensdrang. Extrinsische Motive wirken von außen auf den Lernenden ein. Sie können materieller (Lob, gute Note, Schein) oder sozialer Natur (Wettbewerb, Gruppengefühl) sein.
Grundlagen der Motivation
Motivation hat einen sehr hohen Stellenwert beim Lernen. Ihr Fehlen ist ein Grund für mangelnde Lernleistung oder vorzeitigen Abbruch eines Kurses. Ihr ausgeprägtes Vorhandensein ist die Basis für anhaltenden Lernerfolg. Sie ist sowohl Mittel als auch Ziel der Bildung. Schiefele (1996) kommt z.B. zu dem Ergebnis, „dass bei einem identifizierten, intrinsisch motivierten und interessierten Lernen Wissen tiefer verarbeitet wird und besser verstanden wird.“ Ergebnisse der Lernpsychologie haben gezeigt, dass mangelnde Lernmotivation und ein daraus resultierendes „Durchkämpfen“ durch den Lehrstoff dazu führen, dass Wissen nicht oder nur kurzzeitig aufgebaut wird und schon nach kurzer Zeit wieder vergessen wird. Lernende äußern vielfach die Meinung, dass sie nach einem Jahr oder bereits nach wenigen Monaten nicht mehr den gleichen Test bestehen würden.
Aufgrund der Erkenntnisse aus Schiefele (1996) ist der intrinsischen Motivation bei der Realisierung von E-Learning Systemen mit dem Zweck des selbstgesteuerten, aktiven Lernens der Vorzug zu geben. Intrinsisch motivierte Lernende verfügen über ein längeres, intensiveres Interesse am Lernstoff, was zu höherer Bereitschaft für zukünftiges Lernen führt.
Im Rahmen der Erklärung der Motivation unterscheidet Edelmann (1996) folgende grundlegende Modelle der Motivationspsychologie:
- Triebtheoretische Konzepte: Die Aktivierung wird durch personeninterne Faktoren begründet. Der Anreiz entsteht durch Mangel- oder Überschusssituationen, die durch Aktivitäten ausgeglichen werden.
- Neugiermotivation: Hier wird ein grundsätzliches menschliches Explorationsbedürfnis zur Erklärung herangezogen. Ungewissheit, Neuheit und Komplexität von Umweltobjekten führen zum Bedürfnis, diese zu untersuchen. Ein gerichtetes Neugierverhalten entsteht dabei, wenn ein optimaler Grad an „Inkongruenz“, also mangelnder Übereinstimmung zwischen den wahrgenommenen Reizen und den bereits vorhandenen Schemata besteht. Ein zu hoher Grad an Inkongruenz führt dagegen zu Angst. Neugiermotivation gilt als Beispiel für intrinsische Motivation.
- Anreiztheoretische Auffassungen: Hier spielen äußerere Faktoren eine Rolle. Der Lernende bildet mit der Umwelt ein dynamisches System. Objekte in der Umwelt können „Aufforderungscharakter“ besitzen und latente Motive des Lernenden anregen. Dies führt zum Zustand der Motivation.
- Entscheidungs- und austauschorientierte Konzepte: Als Grundlage einer Entscheidung gelten subjektive Kosten-Nutzen-Kalküle auf Basis der empfundenen Eintretenswahrscheinlichkeit von Folgeereignissen. Austauschorientierte Konzepte wenden Kosten-Nutzen-Prinzipien auf soziale Situationen an.
Im E-Learning kommt der Motivation ein großer Stellenwert zu, da es durch das Fehlen eines persönlichen Tutors schwierig ist, einen Mangel an Motivation festzustellen und ihn rechtzeitig zu beheben. Aus diesem Grund sollte Motivation von Anfang an sichergestellt, gefördert und aufrecht erhalten werden. Trotz der motivationalen Defizite, die erfolgreiches E-Learning häufig gefährden, bieten sich gerade beim Einsatz digitaler Medien neue Möglichkeiten Motivation zu fördern. Wichtige Persönlichkeiten können z.B. per Video eingespielt werden oder als Live-Schaltung bereitstehen. Chats mit Experten fördern Fachgespräche auf hohem Niveau. Eine verbesserte Selbstwahrnehmung der Lernenden steigert ihre Motivation.
Methoden zur Steigerung der Motivation
Inhaltliche Gestaltung und Präsentation
Folgende Aspekte können zur Steigerung der Motivation beitragen:
- Kontrolle: Wenn dem Lernenden das Gefühl einer subjektiven Kontrolle vermittelt werden kann, wird dadurch das Lernen selbstbestimmter und autonomer, was die intrinsische Motivation erhöhen kann. Der Lernende sollte in die Lage versetzt werden, gemäß seiner jeweiligen individuellen Interessen, Schwerpunkte im Stoff selbstständig zu wählen. Ein Beispiel für die freie Auswahl von verschiedenen Lerneinheiten zeigt ein WBT über Tischtennis-Schlagtechniken. Die Lernenden haben hier die Möglichkeit, sich je nach Bedarf, gezielt eine bestimmte Technik anzusehen.
- Anforderungsniveau: Ein optimales Anforderungsniveau wirkt intrinsisch motivierend. Lernende sollten durch einen angemessenen Schwierigkeitsgrad herausgefordert, ihre Neugier und Phantasie angeregt werden. Hierfür sollte im Vorfeld das Vorwissen der Zielgruppe evaluiert werden.
- Herausforderung: Durch eingestreute Abschnitte im Lehrmaterial, welche z.B. mit „tieferes Verständnis“ gekennzeichnet sind, werden Neugiermotivation und Wissensdrang verstärkt. Diese weiterführenden Informationen sollten auf Lernerwunsch zugreifbar sein, um auch das Kontrollempfinden der Lernenden zu steigern. Sowohl Detailliertheit als auch Schwierigkeitsgrad der weiterführenden Informationen sollten im Vergleich zum normalen Lerninhalt gesteigert werden.
- Informationsumfang: Bei überwiegend intrinsisch motivierten Lernenden können umfangreiche Informationen ein Eintauchen in die Lernwelt („Immersion“) ermöglichen (Kerres, 2001). Bei extrinsisch motivierten Lernenden sollte der Lehrstoff in überschaubare, kurze Einheiten aufgeteilt und zeitlich getaktet werden.
- Orientierungshilfen: Orientierungshilfen sollten den Lernenden beim Umgang mit dem System unterstützen, um Verwirrung und Frustration aufgrund der als schwierig wahrgenommenen Lerntechnologie zu vermeiden. Der Lernende sollte zu jedem Zeitpunkt einfach und schnell vom System mitgeteilt bekommen, wo er sich innerhalb von Lehrstoff und Lernumgebung befindet.
- Lernzielangaben: Lernzielangaben sollten dem Lernenden stets bewusst machen, ob er geforderte Lernziele bereits erfüllt hat oder wie weit sie noch entfernt sind. Sie wirken ebenso wie Orientierungshilfen der Unsicherheit des „Verlorengehens“ innerhalb der Lernumgebung entgegen.
- Interaktivität: Mittel zur Steigerung der Interaktivität, wie z.B. interaktive Diagramme oder Animationen können die Motivation des Lernenden erhöhen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass es nicht zu einer Überladung der Lehrinformation kommt, da der Lernende bei einer Informationsflut „abschalten“ und seine kognitive Aufnahme reduzieren würde, was zu einer Verschlechterung des Lernergebnis führen würde.
- Persönliche Adressierung: Laut Kellers ARCS Modell sollte der Lernende durch das Programm persönlich angesprochen werden. Daraus resultiert eine gesteigerte Aufmerksamkeit.
- Relevanz hervorheben: Um eine motivationsförderliche Lernatmosphäre herzustellen, ist es nach Rogers (1983) sinnvoll, auf die Frage eines Schülers, warum er dies lernen müsse, stets eine Antwort parat zu haben. Dies lässt sich auf ein E-Learning System in Form einer Erklärungsschnittstelle übertragen. Sie sollte jederzeit und überall aufgerufen werden können und Auskunft über die Bedeutung des momentanen Lehrstoffs geben.
- Informationen über Teilnehmer und Lehrstab: Die Bereitstellung von Informationen über Teilnehmer und Lehrstab ist ein Mittel zur Erhöhung der sozialen Präsenz. Jeder Lernende könnte zu Beginn eine eigene persönliche Ansicht erstellen (Alexander, 1992). Ein persönliches Foto, ein individuelles Monogramm, mit dem er seine Nachrichten signiert, machen die Identifikation der Person innerhalb der Lernumgebung einfacher. Besonders beim Einsatz kollaborativer Lernformen ist es wichtig, Informationen über die Lernpartner verfügbar zu machen. Ein gutes Beispiel für den Einsatz von solchen Teilnehmerinformationen ist die Lernplattform Moodle.
- Wortwahl: Im E-Learning kann eine höfliche Kommunikation mit den Lernenden für eine angenehmere Lernatmosphäre sorgen, welche sich positiv auf die Motivation auswirkt. Dazu kann eine persönliche Begrüßung, eine höfliche lernbegleitende Konversation, ermunternde Mitteilungen sowie eine freundliche Verabschiedung eingesetzt werden.
Organisatorische Methoden
- Kick-off Treffen: Kick-off Treffen können die Anfangsbarrieren der Isolation und Anonymität im E-Learning senken. Sofern es organisatorisch durchführbar ist, können weitere Präsenztreffen die Gemeinschaft der Lernenden stärken und zu der Bildung einer "learning community" führen. Stellen Lernende ihre Ergebnisse zu längerfristigen Projekten auf Präsenztreffen vor, so können die positiven Reaktionen wie z.B. Lob oder Anerkennung die Motivation des Lernenden steigern.
- Zeitliche Taktung: Je nach Art der Motivation der Lernenden kann eine zeitliche Taktung des Lehrstoffs lernmotivational begründet sein. Herrscht eine überwiegende extrinsische Motivation, so sollte der Lehrstoff nicht als Ganzes zugänglich gemacht werden, sondern in Teilpaketen geliefert werden.
- Wertmarken bzw. Tokensysteme: Wertmarken bzw. Tokensysteme können die Lernmotivation fördern. Ein Wertmarkenprogramm kann z.B. so aussehen, dass die Lernenden anfangs durch einen Kredit mit einer Grundmenge von Wertmarken ausgestattet werden und mit ihnen „wirtschaften“ müssen. Für die Teilnahme an einem Kurs muss der Lernende initiale Kursgebühren in Form von Wertmarken ausgeben. In einem Lernvertrag verpflichtet sich der Lernende, in einer gewissen Zeit eine bestimmte Leistung zu erbringen. Je anspruchsvoller die Lernziele, desto höher sind die Kursgebühren, desto höher sind aber auch die Gewinnmöglichkeiten.
Technische Mittel
- Computer Supported Cooperative Learning (CSCL): Motivationale Probleme des Einzelnen können innerhalb der Gruppe behoben werden. Durch CSCL-Einsatz wird die Kommunikation und Interaktion gesteigert und das Gemeinschaftsempfinden der Teilnehmer erhöht. Dies motiviert sie, aktiv am Lernprozess teilzunehmen. Dazu sind z.B. virtuelle Konferenzräume, Foren oder Bulletin Boards anzubieten. Der Gemeinschaftssinn stärkt die soziale Präsenz des Systems. Der Mangel an sozialer Präsenz ist ein häufig genannter Grund für Motivationsprobleme beim E-Learning. Je größer die Gruppe der Lernenden ist, desto höher ist der Nutzen von gruppenbildenden Maßnahmen. Lernen in Gruppen motiviert dazu, nicht vorzeitig abzuspringen, da negative Faktoren wie z.B. Frustration in der Gruppe ausgeräumt werden können.
- Weiterentwicklung der Lernumgebung: Die Lernenden könnten dazu angehalten werden, aktiv die Lernumgebung mit ihren eigenen Lernbeiträgen zu erweitern. Dies kann vom Modifizieren des angebotenen Lernmaterials, über das Ergänzen bis hin zur Erstellung neuen Lernmaterials reichen. Dieses aktive Erweitern durch die Lernenden zieht sie aus einer passiven Lernhaltung, welche die Motivation und den Lernerfolg schmälern kann, heraus. Die Aufmerksamkeit derart aktivierter Lernender wird gesteigert bzw. aufrecht erhalten (Niegemann, 2001). Bei der kontinuierlichen langfristigen Nutzung der Lernumgebung führt die Verwendung der durch Lernende bereitgestellten Erweiterungen dazu, dass die Lernenden sehen, dass sie Einfluss auf den Lehrprozess haben und sie ein Gefühl der gesteigerten Reputation besitzen, wenn ihre Beiträge mitsamt Autorenangaben in der Lernumgebung für andere/ spätere Lernende verwendet werden. Die Kompetenz- und Autonomieerfahrung der Lernenden wird unterstützt. Dies wirkt sich nach Prenzel (1993) positiv auf die Lernmotivation aus.
- Freiwillige Erfolgstests: Der Lernende sollte intrinsisch motiviert freiwillig Lernerfolgstest ansteuern können. Dadurch erhält er eine gesteigerte Kontrolle, was sich nach Malones Motivationstheorie positiv auf seine Motivation auswirkt. Durch diese Wissensstandkontrollen wird dem Lerner zusätzlich geholfen, stets den Stand seines aktuellen Wissens einzuschätzen. Unsicherheiten seitens des Lernenden, ob und wie ihm die Lernumgebung nutzt, werden so ausgeräumt. Durch die Freiwilligkeit wird der qualitätssichernde Aspekt der Erfolgstests betont und der Prüfungscharakter vermindert. Dies kann motivationsbehindernde Prüfungsängste und Hemmschwellen vermeiden. Lernerfolgstest müssen einen diagnostischen Wert haben, der dem Lernenden mitgeteilt wird. Ein simpler, nicht informierender Punktwert sollte nicht die einzige Reaktion auf einen Lernerfolgstest sein.
- Feedback: Feedback als Reaktion auf Lernerfolgstests nimmt eine wichtige Funktion ein. Man unterscheidet motivierendes und korrigierendes Feedback. Motivierendes Feedback beschreibt eine positive Verstärkung der Leistung des Lernenden, die gegeben wird, wenn er den Anforderungen entsprechend richtig gehandelt hat. Das motivierende Feedback sollte möglichst informativ und sachlich ausgerichtet sein. Es hat einen motivierenden Effekt auf den Lernenden (Kerres, 2001). Von überschwänglichem Lob für simple Lösungen ist jedoch abzusehen, da der Lernende daraus schließen könnte, dass man ihm nur wenig zutraut. Korrigierendes Feedback wird bei falschen Antworten des Lernenden gegeben. Es kann sich auf den speziellen Fehler beziehen oder unabhängig von der Art des Fehlers eine zusätzliche Hilfestellung liefern. Feedback kann persönlich oder öffentlich gegeben werden. Werden die Ergebnisse von Lernerfolgstests automatisch ausgewertet und vom System öffentlich präsentiert, so steigert dies das Gefühl der Lernenden, das System gehe auf sie ein („40% der Lernenden haben diesen Test nicht bestanden, der Tutor wird in der nächsten Diskussionsstunde verstärkt hierauf eingehen“). Vermieden werden sollte die Veröffentlichung persönlicher Kritik durch die Tutoren, da sich einzelne Lernende dadurch herabgesetzt fühlen und ihre Motivation sinkt.
- Künstliche Tutoren/Begleiter: Einsamkeit und mangelnde soziale Eingebundenheit sind eine häufig genannte Kritik an E-Learning Systemen. Vorzeitige Abbrüche und Unzufriedenheit von Lernenden sprechen dafür, dass sie die Motivation von Lernenden negativ beeinflussen. Aber auch in Lernumgebungen, welche den sozialen Aspekt betonen, kann es zu inhaltlichen und zeitlichen sozialen Durststrecken kommen, wenn menschliche Mitlernende oder Tutoren nicht verfügbar sind. Künstliche Tutoren/Begleiter können über „einsame“ Lernstrecken hinweghelfen. Sie haben immer Zeit und „Sprechstunde“ und können als Tutoren sowie als Lernende eingesetzt werden, je nachdem was die Situation erfordert. Eine Möglichkeit ist es, sie mittels Agententechnologien aus der Künstlichen Intelligenz zu implementieren. Thaiupathump et al., (1999) prüften den Einfluss von intelligenten Agenten auf das E-Learning. Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen, dass mit dem Einsatz von intelligenten Agenten mehr Lerner den Kurs als motivierend einschätzen und erfolgreich absolvieren.
- Virtuelle Umgebungen: Virtuelle Umgebungen können durch ihre Interaktivität die soziale Präsenz und die intrinsische Motivation, sich mit der Lernplattform zu beschäftigen steigern. An die Realität angelehnte Strukturen und Funktionen können in die Lernumgebung übernommen werden und die Bedienbarkeit realitätsnaher und intuitiver machen.
- Persönliche Darstellung: Der Lerner sollte in der Lage sein, sich eine persönliche Darstellung innerhalb der Lernumgebung aussuchen oder zusammenstellen zu können. Ein erhöhtes Empfinden, die Lernumgebung gehe auf ihn ein, ist die Folge. Dies wirkt demotivierenden Faktoren, wie z.B. Unpersönlichkeit entgegen und steigert das Gefühl der Kontrolle.
Motivationsmodelle und -strategien
ARCS Modell
Das ARCS Modell wurde 1983 von J. M. Keller entwickelt und hat die Motivation als Schwerpunkt der Betrachtung. Es werden vier Motivationsfaktoren unterschieden.
| Faktor | Attention | Relevanz | Confidence | Satisfaction |
| Orientierungsverhalten | Vertrautheit herstellen | Transparent sein | Konsequenzen erleben | |
| Strategien | Neugier/Exploration | Lehrzielorientierung | Möglichkeiten für Erfolg | Positive Rückmeldungen |
| Abwechslung | Anpassung an den Nutzer | Interne Kontrolle | Gerechtigkeit |
- Attention (Aufmerksamkeit erlangen): Die Aufmerksamkeit bzw. das Interesse des Lerners soll erlangt und aufrechterhalten werden.
- Relevance (Bedeutsamkeit des Lehrstoffs vermitteln): Die Lernenden müssen glauben, dass der Unterricht sich auf ihre persönlichen Ziele bezieht.
- Confidence (Erfolgszuversicht): Positive Erfolgserwartung soll die Lernenden motivieren.
- Satisfaction (Zufriedenheit): Bereits unterrichtete Lernende müssen glauben bzw. fühlen, dass es das Lernen wert war.
Diese vier Faktoren sind seriell voneinander abhängig: Aufmerksamkeit muss erlangt werden, bevor auf Relevanz gesetzt werden kann. Lernende müssen die Relevanz für sich sehen und sich auf die Lernerfahrung einlassen, bevor sie Zuversicht haben können. Zuversicht erlaubt es, Lernen zu nutzen, um Zufriedenheit zu erlangen. Lernende fühlen sich zufrieden, wenn sie erfolgreich einen Lernprozess abgeschlossen haben.
Aufmerksamkeitsstrategien
Der Lernende hat das Bedürfnis nach Anreiz und Abwechslung. Durch Neugier wird Langeweile entgegengewirkt und eventuell das Aufwachen eines demotivierten Lernenden ausgelöst. Wichtig ist nicht nur, Aufmerksamkeit zu erlangen, sondern sie auch für die Dauer der Lerneinheit aufrecht zu erhalten. Ziel ist es, mehr Zeit mit der Lenkung der Aufmerksamkeit als mit ihrer Erlangung zu verbringen.
Nach Keller kann Aufmerksamkeit auf zwei Arten erreicht werden, durch Wahrnehmungsanreize und die Provokation des Orientierungsverhaltens sowie durch Nachforschungsanreize. Die Wahrnehmung kann durch Überraschung oder Verunsicherung erreicht werden. Nachforschungsanreize lassen Neugier durch herausfordernde Fragen oder Problemstellungen entstehen. Der erste Schritt jeder Lernmotivierung besteht darin, die Aufmerksamkeit bzw. das Interesse des Lerners zu erlangen und aufrechtzuerhalten, was durch das Verwenden neuer, überraschender, widersprüchlicher oder ungewisser Ereignisse erreicht werden kann.
Folgende Strategien helfen, die Aufmerksamkeit zu erlangen, erhalten und zu lenken:
| Aufmerksamkeitsstrategien |
| Abwechslung (variability) |
| Humor |
| Konkretisierung (concreteness) |
| Kognitiver Konflikt (cognitive conflict) |
| Neugier (inquiry) |
| Aktive Teilnahme (active participation) |
Abwechslung dient hauptsächlich zur Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit. Sie kann in einer multimedialen Lernumgebung z.B. durch audiovisuelle Effekte (animierte Grafiken, inverse Darstellung, Töne und Sprache) und durch die Variation der Instruktionselemente erreicht werden. Der übertriebene Einsatz solcher Mittel sollte allerdings vermieden werden, da dadurch die Konzentration der Lernernden beeinträchtigt werden kann.
Humor kann durch Witze, Rätsel, witzige Anekdoten und Cartoons erzeugt werden. Ein Witz kann z.B. als Einleitung des Lehrmaterials dienen. Ein Wortspiel oder Running Gag während motivationstechnisch schwieriger Lernstrecken kann Langeweile verhindern und Interesse für den Lehrstoff wecken.
Eine Konkretisierung kann durch spezielle Beispiele, die das Interesse der Lernenden wecken, erreicht werden. So können z.B. ausgeteilte reale, aktuelle Zeitungsartikel über den momentanen Lehrgegenstand oder multimediale Zusatzinformationen, die zum Lehrgebiet passen, den Lernprozess realer werden lassen.
Ziel eines kognitiven Konfliktes ist es, Interesse hervorzurufen, indem ein neuer oder widersprechender Standpunkt eingenommen oder präsentiert wird, während man den Lehrstoff erforscht. Dieser Konflikt oder Widerspruch ruft ein geistiges Unwohlsein hervor.
Neugier bzw. informationssuchendes Verhalten soll angeregt werden, indem Lernende mit Fragen oder zu lösenden Problemen konfrontiert werden. Sie können auch bewegt werden, eigene Fragen oder Probleme zu kreieren. Die Neugier und damit die Aufmerksamkeit wird durch das Entdecken und das Erforschen durch die Lernenden gefördert.
Schließlich erfordert aktive Teilnahme konsequenterweise die Aufmerksamkeit der Lernenden. Diese kann durch Simulationen, Rollenspiele oder Experimente erreicht werden, die den Lernenden fordern und ihn in das Lehrmaterial involvieren.
Es gibt also eine Vielzahl von Strategien, die Aufmerksamkeit hervorrufen oder erhalten können. Das Erlangen von Aufmerksamkeit ist in diesem Prozess leichter, als das Aufrechterhalten, da Aufmerksamkeit auf einem optimalen Niveau gehalten werden muss: zu wenig Aufmerksamkeitsstrategien führt zu Langeweile, zu betonte lösen Überstimulation aus.
Relevanzstrategien
Der Lernende hat den Wunsch, dass seine Basismotive erfüllt werden. Hierbei spielen seine Bedürfnisse, Motive und Anreize eine Rolle. Grundstrategien zur Vermittlung der Bedeutsamkeit des Lehrstoffs sind
- Vertrautheit (familiarity)
- Lehrzielorientierung (goal orientation)
- Anpassung an die Motivationsprofile des Lernenden (motive matching)
Vertrautheit kann im Allgemeinen durch die Verwendung eines klaren Sprachstils sowie anschauliche Begriffe und Beispiele, die Bezug zum Vorwissen bzw. den Motiven des Lernenden haben, erreicht werden. Speziell kann eine personalisierte Sprache (persönliche Anrede des Lernenden) eingesetzt werden. Die in das gesamte Lehrmaterial eingebundene Nutzung einer sympathischen Figur zur Vermittlung bestimmter Informationen kann ebenso ein Gefühl der Vertrautheit auslösen wie Illustrationen und Animationen, welche abstrakte, neue Begriffe in einem vertrauten Kontext (z.B. mittels Analogien oder Metaphern) präsentieren.
Lehrzielorientierung wird durch die Beschreibung der Ziele und Nützlichkeit der Instruktion durchgeführt. Dem Lernenden sollte die Möglichkeit der Auswahl von Lernzielen gegeben werden, sofern dies die Lehrsituation zulässt. Diese Lernzielauswahl sollte Auswirkungen auf Lehrmethoden und/oder Anwendungsbereiche haben.
Lehrstrategien sollten zu den Motivationsprofilen des Lernenden passen. Die individuelle Auswahl eines Schwierigkeitsniveaus durch den Lernenden sollte ebenso möglich sein wie das Vorliegen eines transparenten Bewertungsschemas, welches Feedback über erbrachte Leistungen gibt. Auch Übungen mit Wettbewerbscharakter, sowie das kooperative Lernen mit Lernpartnern können optional angeboten werden. Auch bei entfachter Neugier kann Motivation nicht von Dauer sein, wenn der Lehrstoff keine wahrgenommene Bedeutung für den Lernenden hat. Relevanz entsteht durch das Verbinden des Lerninhalts mit wichtigen Zielen, Interessen und dem Lernstil des Lernenden.
Neben diesen Grundstrategien sind auch folgende Relevanzstrategien von Bedeutung:
| Relevanzstrategien | Beschreibung |
| Erfahrung | Die Erfahrung der Lernenden soll genutzt werden, um die Relevanz des Lehrstoffs hervorzuheben. Bietet man dem Lernenden eine Anwendungssituation, in der er auf Vorwissen zurückgreifen kann, um die neuen Fertigkeiten einzusetzen, so wird das Relevanzempfinden gesteigert. |
| Momentaner Wert | Der momentane Wert des Unterrichts wird hervorgehoben, indem z.B. Lehrgegenstände mit anderen aktuellen Lehrbereichen verbunden werden und so auf ihren Nutzen auch in diesen Bereichen hingewiesen wird. |
| Zukünftige Nützlichkeit | Lehrziele werden mit den zukünftigen Aktivitäten und Zielen der Lernenden verbunden. |
| Erfüllung von Bedürfnissen | Die im Lernprozess auftretenden Eigenschaften von Risikobereitschaft und Erfolg, sowie die Zugehörigkeit zu einer Lerngemeinschaft sollen berücksichtigt werden. Beispiele für Motive der Lernenden, auf die bei der Konzeption der Lernumgebung gesetzt werden kann, sind Ehrgeiz, Machtstreben und soziale Bedürfnisse. |
| Modellierung | Die Modellierung des Unterrichts lässt z.B. ehemalige Lerner als hochmotivierte Gastredner auftreten oder erlaubt es Studenten mit herausragenden Ergebnissen, tutorielle (Hilfs-)Aufgaben zu übernehmen. |
| Wahlfreiheit | Wahlfreiheit kann sich in der Auswahl der Lernwege oder -mittel, sowie der Organisation des Lernprozesses durch die Lernenden äußern. |
(Erfolgs-)Zuversichtsstrategien
Erfolg bedingt das Überwinden einer Herausforderung unter dem Risiko des Versagens. Dieses Risiko sollte im Lernprozess innerhalb eines angemessenen Bereichs liegen. Wahrgenommene Kompetenz (Kompetenzmeinung), wahrgenommene Kontrolle (Kontrollmeinung) und Erfolgserwartung bilden gemeinsam die Basis für Erfolgszuversicht. Die Erfüllung des Lernerwunsches, sich kompetent und kontrollierend zu fühlen, wird auch von Deci und Ryan (1993) als motivationsfördernd eingestuft. Kontrolle wird dem Lernenden z.B. dadurch vermittelt, dass er innerhalb des Lehr-/Lernprozesses jederzeit die Lernumgebung verlassen und wieder zurückkehren kann. Er sollte selbst das Lerntempo bei der Exploration des Lehrstoffs bestimmen können. Variablen in diesem Kontext sind Erwartung und Selbstwirksamkeit. Strategien im Rahmen der Zuversichtsförderung sind folgende:
| (Efolgs-)Zuversichtsstrategien |
| Lernanforderungen (learning requirements) |
| Schwierigkeit (difficulty) |
| Erwartungen (expectations) |
| Attributierung (attributions) |
| Selbstvertrauen (self-confidence) |
Wenn Lernende nicht wissen, was genau von ihnen erwartet wird, kann die Erfolgszuversicht leiden. Lernanforderungen und Bewertungskriterien können z.B. mittels guter Arbeiten vorheriger Lerner klar gemacht werden. Erreichbare Lernziele und eine Übersicht über die Struktur des Lernangebots sollten für eine Transparenz der Lernanforderungen sorgen. Einführende Tests des Wissensstands können Lernenden helfen, sich Vorwissen anzueignen, um Frustration durch unlösbare Aufgaben zu vermeiden. Bei späteren (Selbst-)Tests sollten die geforderten Leistungen (Anzahl der Aufgaben, zur Verfügung stehende Zeit, usw.) den Lernenden im Voraus mitgeteilt werden.
Die Strukturierung von Lehrstoff in ansteigenden Schwierigkeitsniveaus hilft, den Lernprozess als „überwindbare“ Herausforderung zu gestalten. Die Lernmotivation steigt, wenn der Lernprozess mit kleinen Erfolgserlebnissen ausgestattet ist. Startet man mit einem einfachen, aber herausforderndem Sachverhalt und fährt dann mit ansteigend schwieriger werdenden Lektionen fort, so ist diese Taktik erfüllt. Besonders während der Einführung in einen neuen Lehrstoff sollte man diese Vorgehensweise „vom Einfachen zum Komplexen“ beibehalten viele Rückmeldungen geben.
Die Lernumgebung soll helfen, eine positive Erfolgserwartung aufzubauen. Die Lernenden sollten begreifen, dass es eine Verbindung zwischen der investierten Anstrengung und der Erfolgswahrscheinlichkeit bzw. dem Ausmaß der gewonnenen Fähigkeiten gibt. Werden dem Lernmaterial Meta-Kurs-Daten hinzugefügt, die aussagen, wieviel Zeit Lernende investieren müssen, um das Lehrziel zu erreichen, so erreicht man klare Erwartungen bei ihnen.
Menschen haben nach Weiner und Prantner (1994) das Bedürfnis, Phänomene wie Erfolg und Misserfolg nicht nur zu registrieren, sondern diese auf bestimmte Bedingungen bzw. Ursachen zurückzuführen, d.h. sie zu attributieren. Die Lernenden sollten sich klar darüber sein, dass und wie ihr Erfolg auf ihren Anstrengungen und Fähigkeiten basiert. Erfolg im Lernprozess kann nur motivationssteigernd sein, wenn Lernende ihn ihren eigenen Anstrengungen zuschreiben. Attributieren sie den erfolgreichen Abschluss einer Übung oder Prüfung jedoch mit extrinsischen Begebenheiten, wie z.B. Glück, zu geringem Schwierigkeitsgrad oder den Entscheidungen anderer, wird das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht gesteigert und die Motivation nicht gestärkt.
Im Lernprozess sollte das Selbstvertrauen des Lernenden unterstützt werden, da mangelndes Kompetenzempfinden ihn von der Teilnahme am Lernprozess abhalten könnte. Transparente Lernziele und Voraussetzungen sorgen dafür, dass Lernende wissen, was sie lernen werden. Besonders bei einer intrinsisch motivierten Lernergruppe sollten den Lernenden Möglichkeiten geboten werden, selbstkontrolliert und unabhängig zu agieren. Gerade bevor Lernende mit herausfordernderen Situationen konfrontiert werden, sollten sie Gelegenheit bekommen, in kontrollierter Umgebung neues Wissen und Fähigkeiten anzuwenden.
Zufriedenheitsstrategien
Sind Lernende aufmerksam, interessiert am Lehrstoff und gegenüber dem Lernprozess zuversichtlich eingestellt, so sind sie motiviert zu lernen. Um diese Motivation jedoch aufrecht zu erhalten, muss man sich auch um die Zufriedenheit kümmern. Zufriedene Lernende sind motiviert, sich auf längere Zeit auf den Lehr-Lern Prozess einzulassen bzw. ihn weiterhin zu durchlaufen, so dass sie den Wert in dem, was sie tun wahrnehmen. Sinnvolle Anwendungen und natürliche Konsequenzen von Lernerhandlungen unterstützen die Zufriedenheit. Zufriedenheit ergibt sich aus den positiven Wahrnehmungen des Erreichten durch den Lernenden. Anerkennung für den Erfolg unterstützt die intrinsische Motivation, die sich aus dem Lernprozess selbst entwickelt hat und vermittelt das Gefühl bei den Lernenden, dass sie gerecht behandelt worden sind. Externe Belohnungen können ebenfalls Zufriedenheit vermitteln. Sie können symbolischer oder materieller Natur sein (z.B. bemalte Tasse, Schein, Abschluss, ...). Intrinsische Motivation kann vor allem durch Gelegenheiten zum erfolgreichen Einsatz des Gelernten unterstützt werden. Smith und Ragan (1999) beschreiben Zufriedenheitsstrategien auch als “success strategies“ und erachten sie - angemessen ausgewählt und eingesetzt - für außerordentlich mächtig und effektiv. Folgende Strategien helfen, Zufriedenheit im Lernprozess zu vermitteln:
| Zufriedenheitsstrategien |
| Natürliche Konsequenzen (natural consequences) |
| Unerwartete Belohnungen (unexpected rewards) |
| Positive Folgen (positive outcomes) |
| Negative Einflüsse vermeiden (avoiding negative influences) |
| Planen von Verstärkungen (scheduling of reinforcements) |
Natürliche Konsequenzen für den Lernprozess können den Lernenden in Form von Gelegenheiten zum Einsatz des erworbenen Wissens in realen oder simulierten Umgebungen geboten werden. Dies kann durch Fallstudien, Rollenspiele, Simulationen oder Spiele geschehen. Diese Gelegenheiten sollten den Lernenden so früh wie möglich gegeben werden, da der Effekt der natürlichen Konsequenz mit der Zeit nachlässt. Unter Umständen sollte den Lernenden mitgeteilt werden, dass neues Wissen angewendet werden soll. Eine schrittweise Anwendung kann auch in regelmäßigen Übungen geschehen.
Leistungen intrinsisch motivierter Aktivitäten im Lernprozess sollten mit unerwarteten, einzelnen Belohnungen gewürdigt werden. Uninteressante, langweilige Aufgaben erfordern extrinsische, erwartete Belohnungen.
Positive Folgen können durch unterstützendes Feedback geboten werden. Es sollte darauf abzielen, das erwünschte Verhalten aufrechtzuerhalten. Das motivierende Feedback kann von positiven Kommentaren bis hin zu extrinsischen Belohnungen (z.B. Preis, Feier, Reise, Ehrung, Sachwert, usw.) reichen. Das Feedback sollte passend und gerechtfertigt sein, um das Gefühl der gerechten Bewertung zu fundieren. Ebenso sollten Belohnungen nicht interessanter werden als der Lehrstoff selbst. Insgesamt sollten Belohnungen und Feedback unmittelbar auf Lernerleistungen folgen und ein der Schwierigkeit angepasstes Ausmaß besitzen.
Vor allem die intrinsische Motivation leidet unter externen Negativeinflüssen, wie z.B. Drohungen, Überwachung anstelle Beachtung oder externen Leistungsbewertungen, welche es zu vermeiden gilt. Auf sie sollte zu Gunsten intrinsischer, d.h. in der Person liegender Regelungsmechanismen verzichtet werden, damit Lernende ihre eigene Arbeit einschätzen können.
Verstärkungen sollten auch geplant werden, damit positives, motivierendes Feedback während der Einführung eines neuen Lehrstoffs häufig, eventuell sogar nach jeder richtigen Antwort gegeben wird. Während des praktischen Einsatzes des neuen Wissens sollte es jedoch erst nach einem logisch zusammenhängenden Aufgabenkomplex eingesetzt werden. Sowohl das Intervall als auch die Menge an Verstärkungen können variiert werden.
Supermotivations-Modell nach Spitzer
Der Supermotivation Ansatz wurde von D. R. Spitzer entwickelt. Seine Kernannahme lautet “any activity can be made highly motivating if a motivating ‘context‘ is added to the basic task“ (Spitzer, 1996). Je mehr „Motivatoren“ der Kontext einer Tätigkeit enthält, um so motivierender wird diese Tätigkeit empfunden. Spitzer schlägt die im folgenden genannten Motivatoren vor:
| Motivatoren nach Spitzer | |
| Aktion (action) | Fehlertoleranz (error tolerance) |
| Spaß (fun) | Erfolgsmessung (measurement) |
| Abwechslung (variety) | Rückmeldungen (feedback) |
| Auswahl (choice) | Herausforderung (challenge) |
| Soziale Interaktion (social interaction) | Anerkennung (recognition) |
Diskussion
Gerade im Bereich des E-Learning spielt die Motivation der Lernenden eine bedeutende Rolle, da eine so ausgeprägte Kontrolle wie bei Präsenzseminaren hier nicht möglich ist und die Lernenden oft auf sich alleine gestellt sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei der Gestaltung und Nutzung von Lernumgebungen von Anfang an die Motivation zu berücksichtigen. Zahlreiche gestalterische und technische Methoden tragen zu einer Aktivierung der Motivation bei. Hierbei helfen auch verschiedene Motivationsmodelle und Motivationsstrategien, um motivierende Faktoren beim Einsatz von Lernumgebungen zu berücksichtigen. So kommt vor allem dem ARCS-Modell und damit den Aufmerksamkeits-, Relevanz-, Zuversichts- und Zufriedenheitsstrategien eine tragende Rolle zu.
Aufmerksamkeit wird vor allem durch Abwechslung, aktive Teilnahme und Neugier erreicht. Dies kann in einer konkreten Lernumgebung durch den Einsatz von Bildern, Tönen und Animationen, durch das Anbieten bestimmter interessanter Beispiele oder durch Fragestellungen, die das Forschen und Entdecken anregen, gelöst werden. Um die Relevanz des Lernstoffes, sowie Zuversicht zu vermitteln, ist die Angabe von Lernzielen, die Transparenz der Lernanforderungen, sowie ein ansteigendes Schwierigkeitsniveau wichtig. Schließlich ist entsprechendes Feedback für die Zufriedenheit der Lernenden unverzichtbar.
Da der Bereich des E-Learning wahrscheinlich in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird und sich auch weiterentwickeln wird, muss auch die Motivation bzw. der Einsatz motivationsfördernder Faktoren sich an die entsprechenden Entwicklungen und Bedürfnisse anpassen. Die Richtung scheint dahin zu gehen, dass E-Learning nicht ausschließlich angeboten wird, sondern als Unterstützung und Begleitung zu Präsenzveranstaltungen eingesetzt wird. So spielt vor allem auch die Motivation durch die Lehrer und Tutoren eine Rolle. Doch auch die Technik und Gestaltung kann, wie eingangs erwähnt, sehr gut zur Motivation beitragen. Aufgrund des rasanten technischen Fortschritts ist es auch durchaus denkbar, dass sich schon in nicht allzu ferner Zukunft neue Möglichkeiten des E-Learnings und der Motivation bieten werden, die bislang noch gar nicht vorstellbar sind.
Kontrollfragen
Frage 1: Zählen sie Aspekte der inhaltlichen Gestaltung und Präsentation auf, die zur Steigerung der Motivation beitragen können.
Frage 2: Welche Motivationsfaktoren werden im ARCS-Modell unterschieden?
Frage 3: Beschreiben sie zwei Erfolgs-Zuversichts-Strategien.
